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Die '''ostfriesischen e''' (friesisch ''Hovetlinge'' oder ''Hovedlinge'') übernahmen im Verlauf des 14. Jahrhunderts Machtpositionen im , nachdem die alte e Verfassung aus der Zeit der Friesischen Freiheit zusehends verfallen war.

Vorgeschichte


Entwicklung des Häuptlingswesens

Bis 1300 konnte sich diese egalitäre Ordnung, trotz Rivalitäten der mächtigen Familien, erhalten. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts setzte aber ein demographischer Wandel ein: Eine Vielzahl von Krisen (Hungersnöte, mangelnder Absatzmarkt für Waren, Seuchen) führte zu einem Verlust der öffentlichen Ordnung, den Höhepunkt bildete der Ausbruch der südwestlich des neu entstandenen Jadebusens.

Auch an der politischen Verfasstheit Ostfrieslands gingen diese Einschnitte nicht spurlos vorüber. Im späten 13. Jahrhundert und bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts verfestigte sich die Macht der ''nobiles'' zunehmend und das ostfriesische Häuptlingswesen begann Gestalt anzunehmen: Die ''hovetlinge'' lernten rasch, ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinden abzuleiten, sondern als dynastischen Besitz zu verstehen und zu verteidigen.

Die Macht der Häuptlinge stützte sich vor allem auf ihren und zunehmend auch der Verkauf ihrer Schutzgewalt an die ''undersaten''.

'''Wiemken, auch Papinga genannt, Beninga'''

Kenos großer Rivale war der Häuptling der Friesen sowie über Bant und Wangerland, . Dieser errichtete 1383 in Bant die ''Edenborch'', die spätere Sibetsburg. Sie war Vorbild für die Grimersumer Steinbauten der Beninga-Häuptlinge in der , dazu diente die Befestigung ab 1395 mehrfach dem Seeräuberbund der als Zuflucht und Operationsbasis Onnekos Sohn war Onneko Grote Onneken (? 1405), der wegen seiner Statur den Beinamen Grote, ''der Große'', trug. Er war Häuptling zu Sengwarden, Langwarden, Rodekerken, Gödens und Syllhues. Sein Sohn aus der Ehe mit Tiadera von Oldeborg, Sibeths Tochter, war Iko Onneken der Ältere, Vater (? 1474), Häuptlings zu Innhausen. Dessen Sohn, Folef Alksen Onneken (? 1531), Häuptling zu Innhausen, erbte 1496 von seinem Vetter, Iko Onneken dem Jüngeren, Häuptling zu Knyphausen, die benachbarte Herrschaft Kniphausen und vereinigte so beide Herrschaften, nach denen sich das Geschlecht der Onneken dann nur noch zu Innhausen und Knyphausen nannte.

'''Allena'''

Kenos I. tom Brok Sohn, , vereinte nahezu ganz Ostfriesland unter seiner Macht. 1381 schwor er Herzog Albrecht von Bayern, Graf von Holland die Treue. Nach einer ergebnislosen Verhandlung mit dem Häuptling Folkmar Allena, der ihn in der Auricher Burg belagerte, wurde er ermordet (1391). In der Folgezeit übernahm seine Frau Foelke, die so genannte Quade Foelke (= ?böse Foelke?), die Regentschaft für seine beiden unmündigen Söhne Widzelt und Keno II.

'''Abdena'''

Insbesondere die Fehden zwischen den tom Brok einerseits und Folkmar Allena von Groothusen sowie der Familie Abdena aus Emden andererseits bestimmten die ostfriesische Geschichte gegen Ende des 14. sowie zu Beginn des 15. Jahrhunderts. An der Spitze der Abdenas stand Hisko, der Propst von Emden.

'''Lubben'''

Der Geschlechtername Lubben leitet sich von Lubbe Onneken, Sohn des ?edelen Duden? und ältestem bekannten Ahnen dieses Namens her, entsprechend dem Siegel von 1384 mit dem heraldisch nach rechts aufgerichteten Löwen im Schilde und der Umschrift: ''+ LVBBE ... KEN IN ? RODENKERKEN +''. Der aufgerichtete Löwe deutet auf ein altes Friesengeschlecht und ist Zeichen anderer aus dem Geschlecht der Onneken hervorgehender, führender Familien, unter anderem Lubbe Onneken von Langwarden (später Häuptling zu Knyphausen). Lubbe Onneken und Sohn überstellt.

In der Einleitung zu seiner Lütetsburger Chronik nennt Udo von Alvensleben die Freiherren, Grafen und Fürsten zu Innhausen und Knyphausen als das einzige überlebende Häuptlingsgeschlecht. Es gibt jedoch noch zwei weitere überlebende Geschlechter. Der Löwe begleitet die noch heute blühenden Geschwistergeschlechter Lübben und Tantzen als Wappenbild. Beide Familien lassen sich in männlicher Line auf Lubbe Onneken, den Sohn des ?edelen Duden?, zurückführen.

Über die Jahrhunderte hinweg verblasste die Erinnerung an die Hinrichtung von Dude und Gerold. Im 19. Jahrhundert entdeckte der Heimatforscher : ''700 Jahre Chronik der Familie Tantzen. 1300?2000.'' Herausgegeben vom Familienverband Hergen Tantzen. Isensee, Oldenburg 1997, S. 228f.</ref>

Kollaboration mit den Vitalienbrüdern

Die durch den Deutschen Orden im Jahr 1398 von der Ostseeinsel Gotland vertriebenen verschärften diese Fehden: Sie wurden von allen Parteien als Truppen in den Kämpfen eingesetzt. Aus der Zusammenarbeit zogen beide Seiten einen Nutzen: Die Vitalienbrüder brachten Kriegserfahrung und Flexibilität mit sich, vor allem aber war ihr Einsatz im Unterschied zu dem gewöhnlicher Söldner enorm günstig, machten sie doch Beute auf eigene Rechnung und verlangten keinen Sold und keine Verpflegung. Die Häuptlinge dagegen boten einen sicheren Unterschlupf vor Verfolgung sowie einen Absatzmarkt für gekaperte Waren ? beides grundlegende Voraussetzungen für den Aufbau einer neuen Operationsbasis.

Der ansteigende Seeraub in der südlichen Nordsee schädigte auch die Schifffahrt der Hanse, hier besonders die Städte Hamburg und Bremen. Die Konflikte verschärften sich: Dadurch, dass jede Häuptlingsfamilie Seeräuber zur Stärkung ihrer eigenen Position anheuerte, konnte auch niemand mehr auf die Zusammenarbeit mit ihnen verzichten.

Die Hanse rüstet gegen die Ostfriesischen Häuptlinge

Edo Wiemken, der Häuptling der Rüstringer Friesen sowie über Bant und Wangerland, tat sich besonders als Gastgeber der Vitalienbrüder hervor. Folglich richtete sich die erste Strafexpedition der Hanse besonders gegen ihn: Er musste am 4. Juli 1398 Lübeck, Bremen und Hamburg zusichern, dass er den Vitalienbrüdern seinen Schutz entziehen und sie aus seinem Gebiet weisen würde:

Am 2. Februar 1400 wurde auf einem kleinen Hansetag zu Lübeck die Entsendung von elf bewaffneten Koggen mit 950 Mann in die Nordsee beschlossen. Keno II. tom Brok reagierte umgehend, indem er sich in einem auf den 25. Februar datierten Schreiben an die Hansestädte für die Beherbergung der Vitalienbrüder entschuldigte und ihre sofortige Entlassung versprach:

Kenos Gegner Hisko von Emden und Edo Wiemken sowie der Graf von Oldenburg gaben den arbeitslosen Vitaliensern sogleich neue Anstellung, übrigens eben jene Häuptlinge, die keine zwei Jahre zuvor feierlich gelobt hatten, nie wieder mit den Seeräubern gemeinsame Sache zu machen.

Schließlich heuerten auch Keno tom Brok und seine Bundesgenossen, allen voran Folkmar Allena, Enno Haytatisna und Haro Aldesna wieder Seeräuber an. Eine ?Rüstungsspirale? hatte sich gebildet, es war dem einzelnen Häuptling kaum mehr möglich [auf die Hilfe der Vitalienbrüder] zu verzichten, weil er mit seiner eigenen Hausmacht unmöglich das militärische Potential der Seeräuber, das seinen Gegnern zur Verfügung stand, ausgleichen konnte.

Die Hansestadt drängte zur Tat: Am 22. April stach die verabredete Hanseflotte von Hamburg aus mit Kurs auf Ostfriesland in See. Am 5. Mai traf sie auf der Osterems auf von Folkmar Allena beherbergte Vitalienbrüder und besiegte diese. Hierbei kamen 80 Seeräuber zu Tode, 34 wurden als Gefangene genommen und später hingerichtet.

Die Hanse verlieh ihrem Ansinnen Nachdruck, indem sie sich am 6. Mai die Stadt und das Schloss Emden von Propst Hisko übereignen ließ. Damit wurde die Basis für weitere Operationen gelegt, von hier ausgehend wurden weitere Schlösser und Burgen erobert. Diese Unnachgiebigkeit ließ das Unternehmen zu einem vollen Erfolg für die Hanse werden, am 23. Mai bestätigten alle Häuptlinge und Gemeinden Ostfrieslands, nie wieder Vitalienbrüder aufzunehmen:

Niedergang des Häuptlingswesens

Die bewaffnete Präsenz der Hanse konnte die Häuptlingskonflikte nicht aus der Welt schaffen, sie verkomplizierte sie sogar. 1408 führte die Hanse eine weitere bewaffnete Expedition gegen die Häuptlinge der Friesen. verlor die Familie an Bedeutung.

Dem Häuptlingswesen begegnete zu Beginn des 15. Jahrhunderts jedoch zunehmend Widerstand aus der bäuerlichen Schicht. Die wirtschaftliche Krise war überstanden und mit der sich stabilisierenden Ökonomie gewann auch das Selbstbewusstsein der Bauern wieder an Stärke. (bei Oldeborg 1427) und setzte damit der Herrschaft der tom Brok ein Ende.

Das Häuptlingswesen geriet zunehmend unter Druck: Hamburg stellte eine dritte große Strafexpedition gegen Sibet Lubbenson, den Enkel Edo Wiemkens. Simon van Utrecht brach im Jahr 1433 mit 21 Schiffen gen Emden auf und eroberte die Stadt. Die Sibetsburg wurde 1435 geschleift. Gegen Focko Ukena, mittlerweile mächtigster Häuptling in Ostfriesland, verbündete sich aber eine Gruppe von Häuptlingen und Landgemeinden unter Führung des Greetsielers Edzard Cirksena. Den Landgemeinden selbst fehlte es anscheinend an innerer Kraft, das mittlerweile verhasste Häuptlingswesen eigenmächtig zu bekämpfen. Focko wurde besiegt und vertrieben. Er starb 1436 im Groningerland.

Mit dem Aufstieg der Cirksena endete die Häuptlingsherrschaft in Ostfriesland, nachdem 1464 Kaiser . Einer seiner Nachfahren heiratete in den westfälischen Adel ein.

Literatur

Quellen

  • ''Hanserecesse. Die Recesse und andere Akten der Hansetage 1256 ? 1430''. Hrsg. vom Hansischen Geschichtsverein, Abt. I, Bd. 4, Leipzig 1872?77.
  • ''Urkundenbuch der Stadt Lübeck''. Hrsg. vom Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Abt. I, Bd. 4, Lübeck 1873.
  • ''Ostfriesisches Urkundenbuch''. Hrsg. von Ernst Friedländer, Bd. 1 und 2, Emden 1878 und 1881.

Sekundärliteratur

  • Dieter Zimmerling: ''Störtebeker & Co. Die Blütezeit der Seeräuber in Nord- und Ostsee''. Die Hanse, Hamburg 2000, ISBN 3-434-52573-4.
  • Hartmut Roder: ''Klaus Störtebeker ? Häuptling der Vitalienbrüder.'' In: ders. (Hrsg.): ''Piraten ? Herren der Sieben Meere.'' Bremen 2000.
  • Heinrich Schmidt: ''Das östliche Friesland um 1400. Territorialpolitische Strukturen und Bewegungen''. In: Wilfried Ehbrecht: ''Störtebeker: 600 Jahre nach seinem Tod''. Porta-Alba-Verlag, Trier 2005, ISBN 3-933701-14-7, S. 85?110.
  • Heinrich Schmidt: ''Mittelalterliche Kirchengeschichte''. In: (Hrsg.): ''Oldenburgische Kirchengeschichte''. Isensee, Oldenburg 1999, ISBN 3-89598-624-0.
  • Heinrich Schmidt: ''Piraten gern gesehen''. In: ''Damals. Das Magazin für Geschichte und Kultur.'' 38. Jahrgang, April (4) 2006, S. 30?36.
  • Heinrich Schmidt: ''Politische Geschichte Ostfrieslands''. Leer 1975.
  • Matthias Puhle: ''Die Vitalienbrüder: Klaus Störtebeker und die Seeräuber der Hansezeit''. Zweite Auflage, Campus, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-593-34525-0.

Anmerkungen