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Als '''Kolonialismus''' wird die Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder n fast alle in staatliche Hand.

Der Ausdruck Kolonialismus bezeichnet neben dem politischen Sachverhalt der Kolonialherrschaft auch eine historische Phase, die '''Kolonialzeit''' ''(Zeitalter des Kolonialismus)'', die mit der '' erscheint.

Kolonialismus ist begrifflich und der Bedeutung nach eng mit verbunden. Aus älteren Zeiten sind beispielsweise die antike im Mittelmeerraum sowie die mittelalterliche bekannt. Formen, Ausmaß und Wirkungsweisen des neuzeitlichen Kolonialismus erscheinen in einer weiten Spanne unterschiedlicher Ausprägungen. Sowohl in den politischen ''Metropolen'' der Kolonialherrschaft als auch in der ''Peripherie'' der zugehörigen Kolonien entfalteten die einzelnen Kolonialmächte ein breites Spektrum an Besonderheiten hinsichtlich Organisation und Machtausübung sowie bei der Beteiligung von Kolonisierten am Herrschaftsapparat einerseits und bei der der Kolonialvölker andererseits. Dies wirkte sich auch über die eigentliche Kolonialzeit hinaus im Verlauf und bei den Folgen der Dekolonisation aus.

Typen und Organisationsformen kolonialer Herrschaft

Von übereinstimmenden Kernmerkmalen wie Über- und Unterordnung zwischen Kolonisten und Kolonisierten oder den ungleichen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kolonialmächten und Kolonien abgesehen, sind die historischen Erscheinungsformen des neuzeitlichen Kolonialismus äußerst vielfältig. So stellen auch die im Folgenden aufgeführten Typen kolonialer Herrschaftsregime und Wirtschaftsorganisation lediglich gemeinsame Nenner für im Einzelfall noch spezifischer gelagerte Ausformungen dar. Je nach Entstehungszusammenhang, Struktur und Ausdehnung der diversen historischen Sonderkonstellationen wird in der Literatur unterschieden zwischen Beherrschungskolonien, n, Integrationskolonien und Stützpunktkolonien.

Der ''Beherrschungskolonie'' lag zumeist eine militärische Eroberung nach vorheriger Kontaktaufnahme und Vororientierung zugrunde. Nicht Siedler, sondern aus dem Mutterland entsandte Kolonialbeamte bildeten dabei den Herrschaftsapparat, der die wirtschaftliche der Kolonie ermöglichte. Die Verwaltungsbehörden in der Peripherie wurden von Kolonialbehörden in der Metropole beaufsichtigt. Von diesem Typ waren z. B. als britische Kolonie, als deutsche, als japanische sowie die als Kolonie der USA.

''Siedlungskolonien'' entstanden hauptsächlich infolge massenhafter Individual, deren Träger ihre Heimatgebiete ohne Rückkehrabsicht verließen, oft aus wirtschaftlichen Motiven oder Nöten.

''Integrationskolonien'' vereinten Elemente von Beherrschungs- und Siedlungskolonien. Die Schlüsselstellungen der Verwaltung besetzten mutterländische Kolonialbeamte, die sich auf eine mit politischen Mitwirkungsrechten operierende, durch Nachzug und Nachkommenschaft bedeutend anwachsende Siedlerschicht stützten, so die in den spanischen Kolonien Südamerikas. Ihre Bewohner hatten formal die gleichen Rechte wie die Einwohner des Mutterlandes und genossen eine weitgehende lokale Autonomie. Man konnte die Kolonialherrschaft hier ökonomisch auf bereits existierende leistungs- und besteuerungsfähige Ackerbausysteme gründen.

''Stützpunktkolonien'' waren zunächst mit militärischen Mitteln geschaffene und geschützte Handelsstützpunkte, die nicht auf großräumige Binnenkolonisation, sondern auf kommerzielle Erschließung des jeweiligen Hinterlandes zielten. Wo solche Stützpunktkolonien zum Zweck der Vernetzung planmäßig angelegt wurden, dienten sie der Sicherung einer Handels der jeweiligen Mutterländer. Beispiele dafür waren die niederländischen und portugiesischen Stützpunkte in Afrika und Asien. Die weltpolitischen Ambitionen der seinerzeit führenden Seemacht Großbritannien hatten seit dem 18. Jahrhundert die Anlage von miteinander vernetzten Stützpunkten zur Folge. Dabei ginge es nicht mehr nur um den Schutz von Handelsinteressen; das Netz der britischen Kolonien erlangte vielmehr nun ein globalstrategisches Eigengewicht. Dabei kamen zu den Flottenstützpunkten von über bis bedeutsame ?Hafenkolonien? wie und . Als einzig modernisierungsfähiger Kolonietypus hat sich auf längere Sicht der Militärstützpunkt erwiesen, der über die Ära der hinaus in die der taktischen weist.

Wirtschaftliche und soziale Motive und Merkmale

Bis zum 11. Jahrhundert beherrschten und das Mittelmeer. Die Bekämpfung der Sarazenengefahr, die ausgiebig betrieben, durch und , beendete deren Vorherrschaft. Später übten sich die Italiener selber in Seeräuberei, besonders an den Küsten s. Es wurden häufig Kapergesellschaften zur Finanzierung solcher Unternehmungen gegründet und oft konnte gar nicht zwischen Handelsmissionen und Piraterie getrennt werden. Auch für die Bewohner s bildete die maurischer Schiffe und die Landung an afrikanischen Küsten, bei denen man raubte und Gefangene zu machte, ein einträgliches Geschäft. Durch die Zurückdrängung arabisch-syrischer Händler im Rahmen der konnten nun auch die italienischen en mit der und dem unmittelbar Handel treiben. Besonders das europäische Bevölkerungswachstum seit etwa 1000 (Höchststand um 1300) kurbelte diesen an.

Die Krise des 14. Jahrhunderts mit und betraf auch den . Dieser hatte sich, infolge des allmählichen Niedergangs der Strukturen, auf Luxusgüter als Zeichen standesgemäßer Lebensführung zum Statuserhalt konzentriert. Durch die anarchischen Zustände im Rahmen der konnten sich die Adligen besonders in vom spanischen König große Landschenkungen sichern. Auch die regelmäßigen Einfälle ins (noch) verbliebene land der iberischen Halbinsel waren zu wichtigen Einnahmequellen für diesen geworden. Der Adel beteiligte sich zunehmend auch an wirtschaftlichen Unternehmungen wie dem (der ähnlich wichtig für die Ernährung und den Handel war wie die e im Norden Europas) und baute dazu eigene auf. An der europäischen Entdeckung der s waren daher auch Schiffe des Adels von Anfang an beteiligt. Und auch die Besiedlung von wurde von großen Vasallen des spanischen Königs begonnen; erst später folgte die Krone selbst.

Der Zugang zu den in ganz Europa begehrten im 15. Jahrhundert erschwerte den Asienhandel der Italiener zusätzlich. Der Orient war für Europa damit verriegelt.

Die Ausgangslage der europäischen überseeischen Expansion, die das Zeitalter des Kolonialismus einläutete, war also mitbestimmt von dem Bestreben, alternative Handelswege zu den von den osmanischen Herrschern kontrollierten und gegen den Zugriff der Europäer behaupteten Fernhandelsnetzen () aufzutun. eröffnete mit der Umsegelung des 1488 den Weg in den , was ermöglichte, 1498 per Schiff zu erreichen. Von ihrem indischen Stützpunkt aus gelang es den 1509 zu erreichen und unter 1511 zu erobern. Die überquerung durch Kolumbus 1492 führte zum Beginn der europäischen Erschließung, Eroberung und Besiedlung Amerikas.

Die Kapitalbeschaffung für die kostspieligen Entdeckungsfahrten war durch Fortschritte im Geld- und leichter geworden. Die Entstehung der ersten en in norditalienischen Stadtstaaten vereinfachte die Zusammenführung größerer Geldmengen für die teuren überseeischen Unternehmungen. Da die Gewinnaussichten sehr vage waren, übernahm häufig der Staat die Kosten der Seeexpeditionen, um das hohe Risiko zu mindern. Die privaten Unternehmen beteiligten sich meist nur an der Befrachtung der Schiffe mit Lebensmitteln und Tauschwaren und erhielten dafür einen festgelegten Teil des Gewinns aus den Fahrten. Möglich wurden die überseeischen Entdeckungsfahrten aber nicht zuletzt durch die Entwicklung des neuen Schiffstyps der , der sich u. a. durch verbesserte Manövrierfähigkeit unter wechselnden Windverhältnissen auszeichnete.

Der Erschließung der westafrikanischen Küste durch die Portugiesen folgten Importe von Sklaven und Gold nach Europa. Das Herrscherhaus, das zu einem Fünftel an den wirtschaftlichen Erträgen dieser Art beteiligt war, blieb seinerseits an weiterer Expansion interessiert. Worum es ging, zeigen Bezeichnungen wie ??, ?Goldküste? oder ??.

Gold und Silber

Den afrikanischen Goldhandel kontrollierten ische Händler, die das Gold per Karawane zu den Küsten Nordafrikas brachten und so auch die europäische Nachfrage bedienten. 1456 stellten die Portugiesen eine erste Handelsverbindung zu den afrikanischen Goldzonen her. Ab 1475 wurde Gold dann in großen Mengen per Schiff über im Tauschhandel mit Subsahara-Afrika, ohne Umweg über muslimische Händler, nach Portugal verbracht. Wegen des teuren Ankaufs von orientalischen Luxusartikeln und kostspieliger europäischer Kriege kam es dennoch vorerst auch weiterhin zu einem Nettogoldabfluss aus Europa.

Den Goldreichtum suchte auch Kolumbus bei seiner Entdeckungsfahrt in das Amerika als besonderes Merkmal herauszustellen. Zum vermeintlichen wurden die von den Spaniern eroberten Gebiete in jenem Goldrausch, der sich einstellte, nachdem dem Inka-Herrscher über 13.000 Pfund Gold und 26.000 Pfund Silber abgepresst hatte. Die Silbervorkommen in und , die noch vor 1550 entdeckt und alsbald nach Europa verschifft wurden, führten dazu, dass die Preise in ganz Europa noch im 16. Jahrhundert um 400 Prozent anstiegen.

Sklavenhandel

Indem sich seit dem hohen die Vorstellung durchsetzte, dass nicht zu gemacht werden dürften, wurden Sklaven im Zuge der fortschreitenden zur knappen ?Ware? in Europa. Man verlegte sich ab dem 13. Jahrhundert verstärkt auf den Sklavenhandel mit der . Zunächst lieferten die muslimischen Händler diese vor allem von der , ab dem 15. Jahrhundert besonders aus dem , wo die Christen als verschleppten und an europäische, v. a. italienische Händler verkauften. Sklavenhändler verschleppten hingegen ihre Opfer meist aus Kleinasien. Die Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen führte dann aber zum Rückgang der Sklavenlieferungen aus der Levante und hatte Preissteigerungen in Italien zur Folge. Europa orientierte sich dann um auf Sklaven aus , die muslimische Handelskarawanen an die nordafrikanische Küste brachten.

Auf den Karibik-Inseln wurde u. a. m. beladen nach Europa zurückkehrten.

Koloniale Ausbeutung und Kosten-Nutzen-Relationen

Wie Spanier und Portugiesen suchten auch alle späteren Kolonialmächte ? so auch bei der Aufteilung Afrikas ? wirtschaftlichen Nutzen aus ihren kolonialen Besitzungen zu ziehen. Eine rationale Kosten-Nutzen-Abwägung ging dem jedoch nicht voraus. ?Vielmehr setzte nach dem Erwerb neuer Gebiete häufig Ratlosigkeit darüber ein, welches wirtschaftliche Potential sie besaßen, wie man sie verwalten sollte und welchen Nutzen sie dem Mutterland bringen könnten.?

Als stärkstes wirtschaftliches Bindeglied innerhalb der Kolonialimperien erwies sich der . Frankreich ging dabei besonders konsequent vor und schuf damit ein einheitliches Kolonialreich, das in Afrika zur Folge hatte, dass die Staaten auch nach ihrer Unabhängigkeit noch die engen Währungsbeziehungen zu Frankreich aufrechterhielten.

Während die eigene Kosten-Nutzen-Bilanz der Kolonialmächte im Hinblick auf ihre Einflussgebiete teils zwiespältig und teils negativ ausfallen konnte

Die vergleichsweise späte Kolonialmacht war die einzige, die in ihrem Einflussbereich planmäßig eine industrielle Kolonialwirtschaft aufbaute, etwa Kohle, Eisen und Stahl in und der oder Baumwollverarbeitung in und Nordchina. Es galt, die Rohstoffarmut der japanischen Inseln zu kompensieren und einen arbeitsteiligen asiatischen Wirtschaftsgroßraum unter japanischer Kontrolle zu etablieren. Es war laut Osterhammel um das repressivste Kolonialregime der neueren Geschichte; gleichwohl hinterließ es wichtige Grundlagen für die weitere industrielle Entwicklung in Korea, Taiwan und Teilen von China.

Vom Kolonialismus profitierten auch Staaten, die keine Kolonialmächte waren. Beispielsweise hat die )

Ideologisch-programmatische Aspekte kolonialer Regime

Die Kolonialregime europäischer Mächte seit dem 16. Jahrhundert bedurften der Rechtfertigung und der Vereinbarkeit vor allem mit der Glauben bringen sollten.

In der Frühen Neuzeit war die Vorstellung der eigenen kulturellen Überlegenheit von Europäern gegenüber anderen Kulturen wie der chinesischen, japanischen, indischen oder muslimischen noch wenig ausgeprägt

Ein durchgreifendes europäisches Sendungsbewusstsein gegenüber den anderen etablierten Kulturräumen der Welt setzte sich laut Osterhammel aber erst in der Ära der transatlantischen Revolutionen im späten 18. Jahrhundert durch, als ?der Westen? ein ganz neues Zeitalter der Freiheit und Gleichheit einzuläuten sich anschickte und sich dies mit der wirtschaftlichen Dynamik der in Gang kommenden verband, die neben Europa auch Nordamerika erfasste. Die Grundelemente kolonialistischen Denkens ?in der reifen Spätform? benennt Osterhammel wie folgt: 1. die Vorstellung von unversöhnlicher Fremdheit bzw. ?Andersartigkeit? in Verbindung mit einem Verhältnis der Über- und Unterlegenheit; 2. den Sendungsglauben in Verbindung mit der Vormundschaftspflicht; 3. die Utopie der politikfreien kolonialen Verwaltung.

Aus der Vorstellung von der bedingte Minderwertigkeit. Letztere wurde von Europäern und Amerikanern zumindest während der drei bis vier letzten Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg weitgehend einhellig für richtig gehalten.

Die unterstellte anthropologische Differenz diente zur Begründung einer Vormundschaftspflicht der Europäer bzw. ?Weißen? als der höherstehenden bzw. Rasse (?? ? ?die Bürde des weißen Mannes?). Nicht Ausbeutung, sondern wechselseitige Ergänzung beider Seiten wurde propagiert. Das schloss die seit dem späten 19. Jahrhundert verbreitete Auffassung ein, der ?entwickelte? Westen habe nicht nur das Recht, sondern stehe in der Pflicht, die natürlichen n der tropischen Länder zu erschließen; denn da die Einheimischen dazu nicht in der Lage seien, würden Europäer und Amerikaner, indem sie das übernähmen, nicht nur sich, sondern der ganzen Menschheit einen Dienst erweisen.

Da die Europäer die in den Kolonialgebieten vorgefundenen Verhältnisse als chaotisch ansahen, betrachteten sie ihr Handeln vor Ort nicht als Willkürherrschaft, sondern als Ordnung schaffend. Koloniale Verwaltung blieb in dieser Perspektive allerdings immer anfällig für die unterdrückte ?Anarchie? und ?Triebhaftigkeit? unter den Kolonisierten. Demnach durfte man sich keine Schwäche erlauben, da sonst Unruhestifter ermutigt würden, gar ein ?Negeraufstand? losbrechen könnte. Westliche Politikformen eigneten sich aus dieser Sicht nicht für Kolonialgebiete: ?Nichts sollte die Ruhe effizienten Administrierens stören.?

Wo in den Kolonien militärische Macht ausgeübt wurde, sollte zugleich innerer Frieden herrschen, indem die einheimische Bevölkerung nach Art der ?.

Kolonialmächte und ihre ?Peripherien?

Entstehungsformen und Ausprägungen kolonialer Herrschaft wiesen eine Vielzahl spezifischer Merkmale auf, die einerseits von den jeweiligen politischen Verhältnissen und sozioökonomischen Hauptinteressen der einzelnen Kolonialmacht abhingen, andererseits von den im kolonialen Herrschaftsgebiet angetroffenen Bedingungen. Kolonialismus ist deshalb nur in seiner ganzen historischen und geographischen Bandbreite angemessen zu erfassen.

Neuzeitliche Grundkonstellationen

Genua und Venedig

Intensive wirtschaftliche Beziehungen Genuas und Venedigs zum ermöglichten beiden oberitalienischen Stadtrepubliken Handelsmonopole auszubilden. Sie beherrschten dadurch im den gesamten Mittelmeerraum. Es war ihnen im Zuge der gelungen, Kolonien bzw. Stützpunkte in der , auf der , am und an der zu erwerben. Die Konkurrenzsituation der beiden Stadtstaaten führte zu zahlreichen Seekriegen, bis es Venedig in der 1380 schließlich gelang, die endgültige Vorherrschaft im Mittelmeerraum zu erreichen. Mit dieser Niederlage schied Genua aber nicht vollständig aus dem Mittelmeerhandel aus, sondern konnte sogar einige seiner Kolonien bis ins 15. Jahrhundert hinein halten. Erst mit der Expansion des Osmanischen Reiches und der Entdeckung der zu Beginn der Neuzeit verloren Genua und Venedig ihre Vormachtstellung im Handel an die neuen Seemächte Portugal und Spanien.

Portugal und Spanien

Nachdem portugiesische Entdecker jenseits des

Spaniens Kolonialreich in Mittel- und Südamerika erstreckte sich auf drei unterschiedliche Arten von indigenen Gesellschaftstypen. Das waren die der , und mit zentraler Organisation, zweitens dünn besiedelte und weniger gegliederte Herrschaftsbereiche sowie drittens Nomadenvölker. Während man bei den Hochkulturen nach Ausschaltung der hierarchischen Spitze die mittlere Schicht auf die Seite der Eroberer ziehen und an der Kolonialverwaltung beteiligen konnte, was durch das Vorhandensein kalendarischer Orientierung, eines Straßennetzes und einer Schriftkultur erleichtert wurde, kam es im karibischen Raum zur Auslöschung der einheimischen Ethnien, für die die eingeschleppten Krankheiten und die rücksichtslose Ausbeutung durch die Eroberer zur tödlichen Falle wurden. Hingegen konnten sich die in die für die Spanier wenig attraktiven Siedlungsgebieten Südargentiniens, Südchiles, Nordmexikos und in den beheimateten nomadischen im Kampf mit der Kolonialmacht behaupten.

Die im päpstlichen Auftrag das Eroberungsgeschehen begleitende christlich-katholische Mission wurde insbesondere von den Bettelorden der und betrieben. In ihren Reihen wurde teils drastische Kritik an den von den Konquistadoren gegenüber den Einheimischen verübten Grausamkeiten laut. Die Anklageschriften eines verbanden das Ziel der Glaubensbekehrung der indigenen Bevölkerung mit dem Vorhalt der gegen die eroberungswütigen Landsleute und mit Schutzforderungen für eine menschenwürdige Existenz der zu Bekehrenden.

Seit 1524 gab es am spanischen Hof neben dem ''Königlichen Rat'' einen ''Rat für die überseeischen Gebiete'' (), der für die kolonialen Wirtschafts-, Finanz-, Militär- und Kirchenangelegenheiten zuständig war. Zunächst zwei e standen der Verwaltung vor, einer für in und einer für Peru in . Sie stammten in der Regel aus Spanien und kehrten nach durchschnittlich 6 bis 7 Jahren dahin auch wieder zurück, hatten folglich ein Interesse daran, dass sich ihr Posten wirtschaftlich oder im Sinne der eigenen Karriere rasch auszahlte. Formalrechtlich galten die Indianer unter spanischer Herrschaft ? anders als unter der anderer Kolonialmächte ? als gleichberechtigte Untertanen der spanischen Krone. Der möglichen Wahrnehmung ihrer Interessen vor Gericht stand aber häufig die Sprachbarriere entgegen.

Niederlande

Nach dem erfolgreichen der Niederländer gegen Spanien stiegen diese zur bedeutenden Handels- und Seemacht auf und etablierten sich ? vor allem auf Kosten Portugals ? als neue Kolonialmacht mit Stützpunkten u. a. in , Indien und . Träger der niederländischen Kolonialherrschaft waren die aus mehreren Einzelunternehmen 1602 zusammengeschlossene Vereinigte (VOC) sowie ab 1621 die . Diese wurden durch staatliche e mit weitreichenden Rechten ausgestattet, was auch das Unterhalten einer eigenen Armee einschloss. Zur Finanzierung wurden zum ersten Mal von einer Gesellschaft ausgegeben, und die Anteilseigner wurden als aufgenommen. Die betrug durchschnittlich 18 % pro Jahr. Besonders profitable Zweige bildeten die Beschaffung von Gewürzen und anderen Luxusartikeln.

Neben und waren wegen des Zugangs zu auch die für die Niederländer besonders lukrativ. Als man dort auf dem mit dem Abschluss einseitig vorteilhafter Verträge scheiterte, verübte der militärische Arm der VOC einen Massenmord unter den Einwohnern. Die danach entvölkerten Inseln übernahmen niederländische Plantagenbetreiber, die importierte Sklaven beschäftigten.

Neben dem bereits 1621 gegründeten VOC-Stützpunkt etablierte die VOC bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dort aber doch eine militärisch gestützte indirekte Territorialherrschaft.

Mit dem frühen niederländischen Kolonialismus in Südostasien ging auf Herrschaftsebene die Ausbildung einer Mischgesellschaft und -kultur einher, in der niederländische Vorstellungen zwar dominierten, aber von Elementen indonesischer Kultur durchdrungen wurden. Denn die niederländischen Männer kamen zumeist allein in die asiatischen Kolonialgebiete und gingen dort sehr oft Verbindungen mit einheimischen Frauen ein, sodass diese sowie die gemeinsamen Kinder Teil der Führungsschicht wurden. Diese Mischkultur erlangte zunehmend Einfluss in der Gesamtgesellschaft und führte zur Ausbildung eigener Baustile und Kunstformen, einer eigenen Musik und Literatur.

England ? Großbritannien ? British Empire

Kurz vor den Niederländern hatten im Jahr 1600 die Engländer bereits eine (BEIC) gegründet, die den Fernhandel auf kolonialer Basis ankurbeln sollte. Im 17. Jahrhundert, das zur werden sollte, behielten diese aber doch die Oberhand, auch weil England es mit zu tun hatte und in den nicht obsiegte. Mit den 1651, dem Ausgang der 1689 und der Schaffung Großbritanniens durch die 1707 verschoben sich aber die Kräftegewichte für das 18. Jahrhundert zugunsten der Briten.

Nachdem der niederländische Statthalter , zu einer dauerhaften Kolonialherrschaft aus.

Hatte der englische Überseehandel in Asien anfänglich auch auf Gewürze und speziell auf Pfeffer gezielt, so verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Einfuhr von Baumwolle und Tee. Für den Transport nutzte die BEIC nicht eine eigene Handelsflotte, sondern angemietete Schiffe. Andererseits übte sie die Kontrolle über ihr indisches Herrschaftsgebiet auch militärisch mit Hilfe einheimischer Truppen aus, der , die von britischen Offizieren geführt wurden.

Auch in der Karibik und in Nordamerika kam es bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts zum Auf- und Ausbau zahlreicher britischer Kolonien. Auf den Karibik-Inseln , und praktizierte auch das britische Kolonialregime die Plantagenwirtschaft mit afrikanischen Sklaven. Gänzlich anders lagen die Verhältnisse in den Siedlungskolonien an der nordamerikanischen Ostküste, wo u. a. ein entstand, hauptsächlich als Ort der Zuflucht und Verheißung für und , die so dem Druck der ausweichen konnten. Sie verschafften sich Landbesitz und breiteten sich nach Westen aus, indem sie die indianische Bevölkerung aus ihren Siedlungsgebieten verdrängten. Die Kolonisten blieben aber Untertanen der englischen Krone, bis sie sich im im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von ihr befreiten.

Nicht nur wurden im 19. Jahrhundert bevorzugte Ziele britischer Auswanderer.

Als in den 1920er Jahren die koloniale Welt ihr universalhistorisches Maximum erreichte, entfiel der Löwenanteil auf das British Empire. Die vom beherrschten Gebiete umfassten im Jahr 1921 ein Gebiet von über 37 Millionen km², etwa ein Viertel der von Land bedeckten Erdoberfläche. Die Gesamtbevölkerung betrug ca. 500 Millionen (rund ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung).

Frankreich

Zu Wegbereitern des französischen Kolonialismus in Nordamerika wurden und ; letzterer gründete . Dieses reichte auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung im Jahre 1712 von zu den und von der bis zum . Auch einige karibische Inseln und Indien waren frühneuzeitliche Objekte französischer Kolonialpolitik. Damit bestand von Anbeginn ein Konkurrenzverhältnis vor allem mit dem britischen Kolonialismus, ausgetragen in einer Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen, den n. Im nach dem musste Frankreich den Großteil seiner Kolonien an Großbritannien abtreten. Die Reste der kolonialen Besitzungen in Nordamerika wurden unter 1803 .

Einen neuen Anlauf nahm die französische Kolonialpolitik ab 1830 vor allem in Afrika und nach Mitte des 19. Jahrhunderts in en zu organisieren, die sich den Kolonialherren als hinreichend gefügig und dafür geeignet darstellten.

Das Gros der europäischen Siedler in Algerien wie auch in den französischen Protektoraten und konzentrierte sich in den Städten, wobei nach 1880 zu gut drei Vierteln von Europäern bewohnt war und städtebaulich großteils im Pariser -Stil umgestaltet wurde. Gerade die ländliche Agrarkolonisation der Europäer mit Unterstützung der französischen Staatsmacht wirkte sich aber für die muslimische Landbevölkerung fatal aus; denn durch Enteignungen unter allerlei Vorwänden wurde sie auf kleinere Landflächen und schlechtere Böden verdrängt.

Deutschland und Österreich

Unter den Landesherrschaften des deutscher Nation verschaffte sich nennenswert allein gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu Handelszwecken, für die eine gegründet wurde, kurzzeitig überseeischen Kolonialbesitz im westafrikanischen (1683?1717). Auch die österreichische entfaltete nur in verhältnismäßig geringem Umfang koloniale Aktivitäten. Nachdem im Jahre 1771 zum erklärt worden war, gründete die regierende Erzherzogin die ''Triestiner Ostindische Handelskompanie'' (1775?1785) unter dem Kommando des Holländers William Bolts. Die Schiffe der Handelskompanie erwarben 1777 einen Hafen im heutigen (1781 an Portugal) und proklamierten 1778 vier Inseln der als österreichische Kolonie, die allerdings bereits 1785 an zurückfiel.

Seit Gründung des e sorgten jedoch auch in Deutschland für Aufmerksamkeit und teils heftige Diskussionen.

Besonders der , 17./18. Januar 2004. S. 11.)</ref>

Russland

Die kolonialen Bestrebungen Russlands richteten sich vor allem auf ; so wurde ab der Gründung des es und mit der Etablierung des das russische Staatsgebiet über nach Osten hin ausgedehnt. Mitte des 19. Jahrhunderts reichte es sogar bis in . Dabei bestanden Stützpunkte südwärts bis nach . Seit der Ära verstand sich als europäische Großmacht und begann sich auch in südlicher Richtung zu engagieren. Dort stieß es auf die Interessensphären Großbritanniens () und des Osmanischen Reiches (). Dies führte zum mit Großbritannien um die Vorherrschaft in Zentralasien. In kriegerischen Auseinandersetzungen um Randgebiete des zerfallenden Osmanischen Reiches zerbrach die . Nach dem musste Russland im das Donaudelta und das südliche an das abtreten, sowie das Protektorat über die Donaufürstentümer aufgeben, die russische Truppen 1853 besetzt hatten. Außerdem musste es sich zur Entmilitarisierung des Schwarzen Meeres und der verpflichten. Im 1904/1905 versuchte Russland vergeblich, Japan die Vormachtstellung in der und in abzunehmen. Seine Niederlage war einer der auslösenden Faktoren der .

Sowjetunion

Nach der von 1917 zerbrach das im weitgehend und beschränkte sich im Wesentlichen auf das großrussische Kerngebiet. , , die und kurzzeitig die lösten sich in den Jahren 1918 und 1919 von Russland ab und wurden unabhängige Staaten. Russische Binnenkolonien wie z. B. , , , , , , , , oder erlangten nach der Oktoberrevolution in der Regel den Status einer autonomen Republik. Hintergrund war die Aufnahme des Punktes in das Parteiprogramm der nun herrschenden . Die vor-nationale Ordnung des Zarenreichs sollte durch eine proletarische nach-nationale Ordnung ersetzt werden, wobei die Phase des Nationalstaats übersprungen werden sollte.

Dabei wurde das Selbstbestimmungsrecht der Völker bereits von die staatliche Unabhängigkeit.

Spätformen und Ende des Kolonialismus

Der Wettlauf um Afrika

Der um 1880 einsetzende Wettlauf der europäische Kolonialmächte um Territorialbesitz in Afrika (engl. ''Scramble for Africa'') gehört zu den für das untermauert, die den beherrschten Völkern die Fähigkeit absprach, sich selbst zu verwalten.

Nachdem 1881 die Franzosen in ein Protektorat errichtet hatten und es zur im Zuge der Niederschlagung des 1882 kam, wurde der zum Objekt kolonialer Begehrlichkeiten, die neben beiden etablierten Kolonialmächten auch besonders der belgische König hegte. Als die Aktivitäten Frankreichs, Belgiens und Portugals im Mündungsbereich des die Gefahr eines Krieges heraufbeschworen, erbot sich Reichskanzler Otto von Bismarck auf der in Berlin (1884/85) zu vermitteln. Denn auch im Deutschen Kaiserreich waren unterdessen koloniale Interessen (s. o.) an und in Afrika aufgekommen. Die Berliner Konferenz garantierte Handelsfreiheit im Kongogebiet für alle 14 und legte allgemein fest, dass nur diejenige Macht das Recht auf Erwerb einer Kolonie haben sollte, die sie auch tatsächlich in Besitz nahm (Prinzip der ). Dieser Beschluss bildete die Grundlage für die in den folgenden Jahren deutlich beschleunigte Aufteilung Afrikas in Kolonien durch die europäischen Mächte.

Nach der Niederschlagung des es im durch die ''Anglo-Egyptian Nile Expeditionary Force'' unter beschwor die 1898 die Gefahr einer militärischen Konfrontation zwischen den Kolonialmächten Frankreich und Großbritannien herauf. Hier kollidierten französische Ansprüche auf das Territorium des Sudans ? um eine territoriale Verbindung zum herzustellen und damit einen Ost-West-Gürtel von bis zu schaffen ? mit dem britischen Bestreben, das tal zu kontrollieren und sich der Vision einer Nord-Süd-Verbindung von bis zum anzunähern. Mit dem 1899 wurde zwischen beiden Mächten ein Ausgleich ihrer kolonialen Interessensphären in Afrika hergestellt, der den Wettlauf beendete und den Weg zur nachfolgenden freimachte. Auch danach gab es noch krisenhafte Spannungen und Streitigkeiten um koloniale Ansprüche in Afrika zwischen Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien und Portugal, die sich bis 1914 aber nicht mehr in grundlegenden Änderungen der Kolonialgrenzen niederschlugen.

Der Erste Weltkrieg als Zäsur

mini|Historische Mandatsgebiete in Afrika und Vorderasien:67 1. Syrien (franz.),68 2. Libanon (franz.),69 3. Pal�stina (brit.),70 4. Transjordanien (brit.),71 5. Irak (brit.),72 6. Togoland (brit.),73 7. Togoland (franz.),74 8. Kamerun (brit.),75 9. Kamerun (franz.),76 10. Ruanda-Urundi (belg.),77 11. Tanganyika (brit.) und78 12. S�dwest-Afrika (s�dafr.).

Mit dem Ersten Weltkrieg kam es zu Verschiebungen und neuen Entwicklungen in der Kolonialpolitik. Das Deutsche Kaiserreich verlor bereits bald nach Kriegsausbruch seine nicht verteidigungsfähigen Besitzungen in West- und Südwestafrika an die Entente-Mächte und die mit ihnen verbündete s übertragen; faktisch aber bedeutete dieses Regelung, dass Frankreich sein westafrikanische Kolonialreich arrondierte und Großbritannien in Ostafrika nun die schon länger anvisierte durchgängige Nord-Süd-Verbindung durch eigenes Kolonialgebiet erlangte.

Zu den bedeutsamen Folgen des Ersten Weltkriegs gehörte auch, dass die USA als Seemacht zu Großbritannien aufgeschlossen hatten. Doch nicht nur diese Weltkriegsverbündeten, sondern auch Japan strebte mit seinen kolonialen Ambitionen die Rolle einer erstrangigen Seemacht an. Ein als äußere Vorposten zu Festungen ausgebaut wurden.

Die Eigenständigkeit der als s zur Selbstverwaltung gelangten, mehrheitlich von europäischen Siedlern bevölkerten britischen Kolonien ? darunter Kanada, Australien und ? gewann im engen militärischen Zusammenschluss mit dem Mutterland während des Ersten Weltkriegs weiter an Boden, was in der 1926 und im 1931 auch schriftlich fixiert wurde. Die Perspektive eines solchen Dominion-Status könnte auch im unter dazu beigetragen haben, den Widerstand gegen das britische Kolonialregime weitgehend auszutragen.

Der französische Kolonialismus der Zwischenkriegszeit in den 1920er und 1930er Jahren propagierte die nicht mehr in gleicher Weise wie teils im 19. Jahrhundert. Da es nach der Phase der kolonialen Expansion annähernd ebenso viele gelbe, braune und schwarze ?Franzosen? gab wie weiße, stellte sich eine konsequente ''Assimilation'' nun als utopisch dar. Als Konsequenz ersetzte man das Assimilationskonzept durch eine Politik der ''Assoziation'', bei der die farbigen Kolonisierten ? von ausgewählten Anpassungswilligen abgesehen ? aber nicht als ?Bürger? (''Citoyens''), sondern als ?Untertanen? (''Sujets'') geführt wurden.

In licher Hinsicht wurden die kolonialpolitischen Weichen nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls neu gestellt. Während der Kolonialismus für Frankreich und Großbritannien vor 1914 ? trotz teilweise hoher Gewinne einzelner Firmen und Spekulanten ? wegen der Kosten für Militär und Verwaltungsbürokratie in den Kolonien eher ein Verlustgeschäft gewesen war, begann er sich nun aufgrund von Investitionen in die koloniale Infrastruktur, die speziell Frankreich vornahm, für die Mutterländer zu rentieren.

Als neue Kolonialmacht mit ausgreifenden Ambitionen suchte sich in der das zu etablieren. , das von Italien 1911 als Kolonie annektiert worden war, aber im Weltkrieg nicht gehalten werden konnte, wurde in jahrelangen Kämpfen bis 1932 zurückerobert. 1936 wurde in einem unverhüllten Angriffskrieg unter Einsatz nicht nur der Panzer- und Luftwaffe, sondern auch von Giftgas erobert. Die nordafrikanischen Kolonien in Libyen und der wurden von hauptsächlich als Siedlungsland für den italienischen Bevölkerungsüberschuss genutzt: Bis 1939 wurden 120.000 Italiener dort ansässig, hauptsächlich als Agrarkolonisten und Weinbauern.

Das Ende der Kolonialzeit

Die Ära des Kolonialismus im engeren Sinne ging in den Jahrzehnten nach dem behauptet hatten.

Für Großbritannien, dessen ?Kronjuwel? schon in der zur Unabhängigkeit gedrängt hatte, kam es aber noch in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre zur Aufgabe großer Teile seines Kolonialreichs, als Indien, und die Unabhängigkeit erlangten ? allerdings um den Preis blutiger Auseinandersetzungen und Gewaltexzesse zwischen und . Den sbestrebungen der britischen Kolonien in Afrika in den 1950er und 1960er Jahren bot London die Perspektive einer an wirtschaftliche und politische Stabilitätsbedingungen gekoppelten ''self governance'' sowie die Möglichkeit des Verbleibs im britischen . ?So gesehen?, schrieb , ?baute England nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ein Empire ab, sondern ein neues Commonwealth auf.? Das britische Zurückweichen sei mit der Vorstellung verbunden gewesen, auf eine bessere und gesündere Weltordnung hinzusteuern und habe die schwächeren europäischen Kolonialmächte Frankreich, Niederlande und Belgien diesbezüglich unter Zugzwang gesetzt.

Der in den Nachkriegsjahrzehnten stattfindende sprozess verlief gleichwohl auf je spezifische Weise, und zwar in Abhängigkeit von Wirkungsfaktoren wie der Stärke und Aktionsformen der kolonialen en, der Gewaltbereitschaft von Kolonialregimen und Siedlern, der kolonialwirtschaftlichen Interessen und Weichenstellungen in den Metropolen bzw. Mutterländern sowie der Einflussnahme Außenstehender, insbesondere der nunmehrigen USA und . So stand etwa der sich mancherorts lange hinziehende britische Rückzug weniger als der französische unter dem Druck von nationalen Befreiungsbewegungen, die Entscheidungen erzwangen.

Frankreichs militärisches Engagement () zwecks Wiederherstellung der Kolonialherrschaft in Indochina scheiterte am energischen Widerstand der unter Führung s, die von der UdSSR im Indochinakrieg mit Waffenlieferungen unterstützt wurde und den französischen Streitkräften 1954 in der die entscheidende Niederlage beibrachte. Frankreichs Rolle als Kolonialmacht in Indochina war damit zu Ende; an seine Stelle als Widerpart der traten die USA in Fortführung ihrer antikommunistischen , die später in den führte.

Nur mit Unterstützung der USA hätten die Niederlande in Indonesien ihr an die Japaner verlorenes und in der Nachkriegszeit zur Eigenständigkeit drängendes Kolonialgebiet erfolgreich zurückgewinnen können. Den herkömmlichen Kolonialismus lehnten die USA nun allerdings ab; sie hatten nach der auf die Wiederherstellung der eigenen Kolonialherrschaft über die verzichtet und forderten das Gleiche auch anderweitig. Auf Druck der Vereinigten Staaten und der gaben die Niederlande bis 1950 ihre kolonialen Restitutionsanstrengungen auf, 1962 auch einschließlich .

Im ) gestürzt und im Januar 1961 ermordet.

Besonders umkämpft und langwierig war die an die Staatsspitze, der in einem mehrjährigen Prozess auf eine beiderseits akzeptable ''Algérie Algérienne'' hinarbeitete.

Die frühen Kolonialmächte Portugal und Spanien hatte ihren lateinamerikanischen Kolonialbesitz bereits im 19. Jahrhundert verloren bzw. aufgegeben. Das Ende des Kolonialismus herkömmlicher Art steht gleichfalls mit Portugal in Verbindung, das seine afrikanischen Kolonien und aufgab. Die britische Kolonie 1997 und die portugiesische Kolonie 1999 waren die letzten Nachzügler, die aus europäischer Kolonialherrschaft entlassen wurden.

Beteiligte und betroffene Länder im Überblick

Kolonialmächte des Spätmittelalters

  • ?
  • ? (bis ins 18. Jahrhundert hinein)

Kolonialmächte der Kolonialzeit

Klassische europäische Kolonialmächte mit außereuropäischen Kolonien:
  • ?
  • ?
  • / ? und
  • ?
  • ? , () und
  • / ?
  • (erst im 19. Jahrhundert) ?
  • (erst im 19. Jahrhundert) ?
  • ?
  • (erst im 19. Jahrhundert) ?
Sonstige Kolonialmächte der Kolonialzeit:
  • ? , s. a.
  • ?

Europäische Staaten, die vergeblich versuchten, (außer)europäische Kolonien dauerhaft zu erwerben

  • / ?
  • ?
  • ?
  • ? und
  • ?
  • (Spätmittelalter) ?

Halb-Kolonien der Kolonialzeit

Manche außereuropäischen Länder und Regionen waren nur zum Teil oder nur für kurze Zeit (manche gar nicht) kolonialer Herrschaft unterworfen. Neben direkter Kolonialherrschaft gab es auch Vorteilsnahmen von Kolonialmächten durch ?ungleiche Verträge?, die aufgezwungen wurden und eine Form indirekter Herrschaft bewirkten. Davon betroffen waren z. B.:

Historisch-politische Einordnung

Was den frühneuzeitlichen europäischen Kolonialismus von anderen historischen Expansionsweisen und Arten der Reichsbildung unterschied, war das damit entstehende, weltumspannende Netz, das sich im Fortgang des Ausgreifens über alle Kontinente erstreckte und mit dem Weltsystem der Eroberung zugleich ein ? wenn auch regional sehr unterschiedlich strukturiertes ? Weltsystem des Handels hervorbrachte. Während die Europäer im asiatischen Handel zunächst lediglich die Rolle eines Juniorpartners mit Nischen im Rahmen eines entwickelten Handelsverkehrs einnahmen, gerieten Afrika, Amerika und zuletzt Australien sowie Neuseeland mit jeweils weniger ausgebildeten Handelsnetzen umso ungebremster in die Abhängigkeit europäischer Handelsinteressen.

Vor und nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gelangte der koloniale Konkurrenzkampf der Großmächte weltweit auf den Höhepunkt. ''Eine'' Wahrheit, aber nicht die ganze, so Ansprenger, habe Lenin 1916 in der Schrift ?? in Kapitel VI zum Ausdruck gebracht: ?Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.?

Die Dekolonisation im 20. Jahrhundert war laut Osterhammel Teil des Übergangs zu einem neuen Weltstaatensystem, das bis zum ?großen Umbruch? 1989?1991 gekennzeichnet war durch 1. die weltweite Konfrontation des s und der , 2. die Rückwendung der (west-)europäischen Großmächte auf ihre europäischen Belange, 3. die Entstehung vieler postkolonialer Staaten, die sich entweder dem westlichen oder dem östlichen Lager zuwandten, 4. relative Stärkung internationaler Organisationen, speziell der , 5. ideologische Ächtung von ''Kolonialismus'' (bei international teils fortbestehender rassischer ).

Neuzeitliche Kolonialismus-Merkmale

Die kolonialistischen Abhängigkeitsverhältnisse waren generell vom Herrschaftsanspruch der Kolonisten bzw. Kolonialmächte über die Kolonisierten bestimmt. Aus dem Anspruch der Überlegenheit leiteten die Kolonialherren das Recht ab, den kulturell ?zurückgebliebenen? Völkern die ? dazu nötigen sollte.?

Anders als etwa die Bevölkerungsmehrheit Merkmale von Kolonialismus, nicht aber ?vollentfaltete Systeme? kolonialer Herrschaft. (Osterhammel 1995: S. 123)</ref>

Nicht jede wurde aber als aufgefasst. So wurde die Herrschaft über zwischen 1517 und 1798 durchaus von großen Teilen der einheimischen, arabischsprechenden Bevölkerung anerkannt. Die Fremdheit der Sprache war weniger entscheidend als der gemeinsame Glaube und die damit einhergehende Verbindlichkeit islamischer Regeln der gerechten Regierung. Der Bevölkerung war es einerlei, welche nichtchristliche Macht über sie herrschte ? für die Kopten waren die ursprünglichen -Herrscher genauso illegitim wie die Osmanen.

Verschränkung mit dem Imperialismus

Seit dem 19. Jahrhundert wurde vor allem in Preußen eine Diskussion um die Notwendigkeit von gegenüber den benachbarten Slawen geführt, in der dann über Österreich auch der Südosten bis ans Schwarze Meer in ein ?großdeutsches? Blickfeld geriet (siehe dazu ). Forcierter Kolonialismus und gingen zeitweise Hand in Hand, ganz deutlich etwa im . In diesem Zusammenhang wurde Kolonialpolitik zum beigeordneten Faktor von , wurden Kolonien zu Verhandlungsobjekten im Machtspiel der rivalisierenden Großmächte. Darüber hinaus hatten imperiale Mächte (wie z. B. das britische des 19. und 20. Jahrhunderts) einen wirtschaftlichen und politischen Einfluss, der zum Teil weit über die eigenen n hinausreichte. Zu den weitreichenden globalen Konsequenzen des Kolonialismus gehörte nicht zuletzt die Verbreitung des europäischen Staatskonzepts, teils verbunden mit absurden Begleiterscheinungen. So ließ man in französischen Kolonien Afrikaner Wendungen nachsprechen wie: ?Meine Vorfahren, die Gallier??

Die annektierte.

Von Teilen der unterworfenen Bevölkerungsgruppen wurden die westlichen sangebote verschiedentlich angenommen. So entwickelte sich in innerhalb weniger Jahrzehnte eine englisch sprechende Bildungsschicht. Kaufleute aus der Kolonialbevölkerung passten sich vielfach aus eigenem Interesse den international gültigen Geschäftsgepflogenheiten an, um auf neuen Märkten Fuß fassen zu können. Seit dem 19. Jahrhundert kam es zur ?Selbst-Zivilisierung? auf westlicher Grundlage durch nichteuropäische Reformeliten, die so auf Voraussetzungen für die Gleichberechtigung mit europäischen ?Modellstaaten? wie Großbritannien und Frankreich hinarbeiteten.

Die armen breiten Massen dagegen sahen zwar von fern ?den Schimmer der dynamischen kolonialwirtschaftlichen Enklaven mit ihren regelmäßigen Lohnzahlungen, Kinos und Autos für die Weißen, Fahrrädern für die Farbigen?, so Ansprenger. ?Sie sahen das deutlich genug, um auf positiven sozialen Wandel auch für sich zu hoffen; aber diese Hoffnung verwirklichte sich nie.?

Weltgeschichtliche Fortwirkung

Viele ehemalige Kolonien gehören heute zur sogenannten . Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut''. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, S. 118?125.</ref>

Aspekte der heutigen Kultur und Politik ehemaliger Kolonien und Kolonialländer, die mit der kolonialen Vergangenheit zusammenhängen, werden unter dem Begriff zusammengefasst. Eine wesentliche Erkenntnis der Postkolonialismusforschung ist es, dass die postkoloniale Situation nicht allein Kultur, Politik und Alltagsleben der ehemaligen Kolonien prägt, sondern dass sie ihren Niederschlag auch in den ehemaligen Kolonialländern findet ? z. B. hinsichtlich der Zuwanderung aus ehemaligen Kolonien in Metropolen wie , oder .

Neuere Bestrebungen, kolonialistische Machtstrukturen herzustellen, bezeichnet man als . Erscheinungsformen davon zeigen sich gemäß Jürgen Osterhammel heutzutage eher nicht im Zusammenhang mit Europa, sondern vornehmlich innerhalb der Dritten Welt. Beispiele dafür seien Chinas ?nahezu lupenreine Kolonialpolitik? in ? einschließlich Siedlerinvasion und sendungsideologischer Rechtfertigung ? und die Politik Marokkos in der . Vor ihrer größten Herausforderung stehe die vergleichende Kolonialismus- und bei der historischen Deutung des vormaligen es im Hinblick auf Konzepte von Kolonisation und Dekolonisation.

Als Antikolonialismus wird sowohl die Kritik am (Neo)Kolonialismus als auch der Widerstand gegen den (Neo)Kolonialismus bezeichnet.

Der Widerstand gegen den Kolonialismus als Befreiungsstreben von der Regierung der Imperialmächte über die eroberten, unterworfenen und ausgebeuteten Kolonien kann als erfolgreich abgeschlossen gelten, denn die ehemals von der europäischen, später auch nordamerikanischen und japanischen Expansion betroffenen ?n? sind spätestens seit 1990 weitgehend ??, im politischen Sinn also ??. Ebenso ist entschiedene Kritik an kolonialistischem Denken und Handeln, also z. B. an herablassenden kolonialen Einstellungen oder an rassistischen und imperialistischen Praktiken heutzutage allgemeiner Konsens. Insofern diese Kritik aber zumeist von Intellektuellen (Ethnologen, Anthropologen, Soziologen, Theologen, Historikern) der (ehemals) kolonialisierenden Länder vorgetragen wurde und wird, bleibt sie oft in ethnozentrischen, insbesondere eurozentrischen Wertvorstellungen gefangen.

Es bleibt als Wichtigstes und Aktuellstes die antikolonialistische Kritik der Kolonialisierten selbst zu bedenken. Sie war und vor allem: sie ist gleichzeitig praktizierter Widerstand. Dieser Widerstand gilt heute ''zum Einen'' dem aktiven Neokolonialismus: Neokolonialismus gemeint als Kontrolle von Ressourcen und Märkten, aber auch von z. B. Medien und Kultur, wie sie gegenwärtig nicht nur, aber immer noch durch fremde staatliche Mächte betrieben wird. Insbesondere das expansive China reiht sich mit neuen Praktiken des Kolonialisierens unter die staatlichen ?Kolonialmächte? ein. Überhaupt haben die kolonialisierenden bzw. neokolonialistischen Kräfte nach dem zweiten Weltkrieg und noch mehr im 21. Jahrhundert in unterschiedlichen Regionen eine je eigene hochkomplexe Dynamik: z. B. in der mit der von konkurrierenden Staaten gestützten Ausbreitung Totalitarismen, oder in der Welt der , wo etwa in der Ukraine EU und Russland als konkurrierend ?? agierende staatliche Mächte wahrgenommen werden können.

Aus wird neokolonialistische Kontrolle mehr noch als durch Staaten durch moderne Wirtschaftsmächte, insbesondere durch Großkonzerne und globale ökonomische Institutionen (z. B. IWF, Weltbank, WTO) betrieben und ist dabei nicht zwingend mit den ehemaligen Kolonialmächten verbunden, sondern arbeitet meist direkt mit inländischen Eliten zusammen. Insbesondere in diesem Fall muss der Widerstand der Kolonialisierten bereits selbst angepasst sein an die ökonomischen und gesellschaftlichen Grundbedingungen, die ihrerseits neokolonialistisch vorgegeben sind. Aber auch generell ist ?vorkolonialer? Widerstand gegen Neokolonialismus heute kaum mehr denkbar.

''Zum Anderen'' gilt antikolonialistische Kritik und Widerstand der Kolonialisierten den latenten systemischen Folgen des Kolonialismus. Denn Kolonialismus wirkt nicht nur aktiv und ökonomistisch als Neokolonialismus durch staatliche und wirtschaftliche Mächte fort. Er wirkt auch ? trotz der längst erfolgreichen Dekolonisation ? passiv und subtil weiter als systemische Beeinflussung der Kultur und Sozialstruktur, als Kolonialisierung der Lebenswelt und Umwelt z. B. durch (manchmal einfach nur weiterbestehendes) Oktroyieren kapitalistischer Strukturen oder eurozentrischer (christlicher oder aufklärerischer oder humanistischer) Wertvorstellungen oder durch rassistische Vorurteile oder durch dominante Etablierung technischer Fortschritte und westlicher Bildung oder auch durch . Dieses global äußerst vielfältige systemische Fortwirken der Kolonialisierung in Lebenswelten, Kulturen und Gesellschaften hinein, das in der Soziologie auch unter Begriffen wie oder erforscht und beschrieben wird, erfordert komplexere Antworten hinsichtlich Möglichkeiten und Wirklichkeiten antikolonialistischen Widerstandes. Solche Antworten werden unter anderem im Diskurs über und gegeben. Dabei werden auch Möglichkeiten ?vorkolonialen? Widerstandes gesehen, z. B. Verweigerungshaltungen, die auf vorkolonialer Lebenswelt basieren können. verweist etwa mit seinem Versuch, explizit ?Elemente einer antikolonialistischen Kulturtheorie?